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Grundlagen Naht

Grundlagen

Medizinisches Nahtmaterial wird in der Chirurgie und Wundversorgung eingesetzt, um Gewebe nach Verletzungen oder operativen Eingriffen sicher zusammenzuführen und die Heilung zu unterstützen. Ziel ist es, die Wundränder spannungsfrei zu adaptieren, Blutungen zu kontrollieren und Infektionen vorzubeugen.

Grundsätzlich unterscheidet man Nahtmaterial nach verschiedenen Kriterien, unter anderem nach Resorbierbarkeit (resorbierbar vs. nicht resorbierbar), Materialart (synthetisch oder natürlichen Ursprungs), Fadenstruktur (monofil oder multifil) sowie nach Fadenstärke. Die Auswahl des geeigneten Nahtmaterials hängt von Faktoren wie Gewebeart, Heilungsdauer, Infektionsrisiko und der gewünschten mechanischen Stabilität ab.

Ein korrekt gewähltes und sachgerecht angewendetes Nahtmaterial trägt entscheidend zu einer komplikationsarmen Wundheilung und einem guten funktionellen sowie kosmetischen Ergebnis bei.

Welche Art von Fäden unterscheidet man?

Organisch

Organisches Nahtmaterial wird aus natürlichen, biologischen Ausgangsstoffen gewonnen, meist tierischen Ursprungs (z. B. Catgut aus Kollagen). Es zeichnet sich durch eine gute Gewebeverträglichkeit und Resorbierbarkeit aus, da es im Körper enzymatisch abgebaut wird. Aufgrund seiner relativ kurzen Reißfestigkeit und der teils unvorhersehbaren Abbaugeschwindigkeit wird es vor allem für kurzfristige Gewebsadaptationen eingesetzt, etwa in der Schleimhaut- oder Unterhautchirurgie.

Synthetisch

Synthetisches Nahtmaterial wird industriell hergestellt und kann resorbierbar oder nicht resorbierbar sein. Es bietet eine gleichmäßige Fadenstruktur, hohe Reißfestigkeit und eine gut kontrollierbare Abbaudauer. Dadurch ist es vielseitig einsetzbar, beispielsweise in der Allgemein-, Viszeral- oder Gefäßchirurgie, und verursacht im Vergleich zu organischem Material meist geringere Gewebsreaktionen.

Metallisch

Metallisches Nahtmaterial besteht in der Regel aus Edelstahl oder anderen Metalllegierungen. Es ist nicht resorbierbar und zeichnet sich durch eine sehr hohe Zugfestigkeit und Formstabilität aus. Aufgrund dieser Eigenschaften wird es bevorzugt in der Knochenchirurgie, bei Sternumverschlüssen oder in Bereichen mit hoher mechanischer Belastung verwendet, wobei die geringe Elastizität und mögliche Irritationen des Gewebes zu beachten sind.

Wie werden chirurgische Fäden hergestellt?

Monofile Fäden entstehen durch Extrusion. Hierbei wird bei einem speziellen Schmelzspinnverfahren geschmolzener Kunststoff unter hohem Druck durch feine Spinndüsen gepresst. Daraus entstehen einzelne Fadenstränge.

Geflochtenes oder polyfiles Nahtmaterial setzt sich aus mehreren Fäden bzw. Filamenten zusammen. Vereinfacht besteht polyfiles Nahtmaterial aus mehreren dünnen Einzelfäden, die entweder miteinander verflochten, verzwirnt oder verdreht sind.

Monofile Fäden

Polyfile Fäden

Verzwirnte/geflochtene Fäden

Pseudomonofile Fäden

+

Glatte und geschlossene Oberfläche


Die glatte, geschlossene Oberfläche verhindert mögliche Dochtwirkungen, wodurch eine Keimbildung am Faden minimiert wird.

+

Hohe Knotenfestigkeit

Die raue Oberflächenstruktur unterstützt eine gute Knotenfestigkeit.

+

Dichte Einzelfilamentstruktur

Geflochtene Fäden besitzen Einzelfilamente, die quer zur Fadenlängsachse liegen. Diese erschweren es Keimen in die Fadenzwischenräume zu gelangen, weshalb geflochtene Fäden eine geringere Kapillarität aufweisen als verzwirnte Fäden.

+

Geringe Traumatisierung

Unter pseudomonofilen Fäden wird polifiles Nahtmaterial verstanden, was mit einer Imprägnierung versehen ist. Diese Fäden verfügen über einen polyfilen Kern, der von weiteren Filamenten ummantelt ist. Dies führt zu einer verringerten Traumatisierung des durchzogenen Gewebes.

+

Geschmeidiger Gewebedurchzug


Ein geschmeidiger Gewebedurchzug verhindert potentielle Sägewirkungen, die ein zusätzliches Trauma herbeiführen würden. Es kann eine höhere Spannung auf Faden und Wunde erzeugt werden, weshalb sich monofile Fäden optimal für exakte Appositionen der Wundränder eignen.

Relativ raue Oberfläche

Die relativ raue Oberfläche sorgt für einen trägen Gewebedurchzug, der im Gegensatz zu monofilen Fäden für eine größere Traumatisierung des Gewebes sorgt.

Schwankende Durchmesser

Verzwirnten Fäden (beispielsweise verzwirnte Seide oder Leinenzwirn) haben sehr häufig schwankende Durchmesser. Dies kann Probleme im Stichkanal hervorrufen.

Verminderte Knotensfestigkeit

Pseudomonofile Fäden weisen im Gegensatz zu polyfilem Nahtmaterial eine geringere Knotenfestigkeit auf.

Schwierige Handhabung

Aufgrund ihrer Drahtigkeit lassen sich vor allen dickere monofile Fäden schlechter biegen und verringern somit die Knotensicherheit.

Hohe Kapillarität

 
Die längsförmigen Einzelfasern verzwirnter Fäden weisen im Gegensatz zu monofilen Fäden eine relativ hohe Kapillarität auf. 

Was versteht man unter Fadenstärke?

Mit der Fadenstärke wird die Dicke (Durchmesser) eines Fadens beschrieben.Die Fadenstärke bestimmt im Wesentlichen die Knüpfeigenschaften und Reißkraft der Fäden.

Wie wird die Fadenstärke gemessen?

Im Industriezeitalter wurden die ersten chirurgische Fäden entwickelt. Der erste produzierte Faden wurde mit der Bezifferung 1 betitelt. Dickere Fäden wurden aufsteigend mit höheren Ziffern (2,3,4,5) gekennzeichnet. Dünnere Fäden erhielten den Zusatz X/0 (0, 2/0, 3/0, 4/0, 5/0, 6/0). Je höher die X/0 – Werte desto dünner die Fäden.

Aufgrund der länderübergreifenden Unterschiede in den einzelnen Pharmekopöen, weisen auch Fäden unterschiedlicher Materialien bei Fadenstärke 0 unterschiedliche Durchmesser auf.

Heutzutage wird die Fadenstärke entweder über das amerikanische System USP (United States Pharmacopeia) oder der europäischen metric (European Pharmacopeia) bestimmt.

USP

12-0
11-0
10-0
9-0
8-0
7-0
6-0
5-0
4-0
3-0
2-0
0
European Pharmacopeia

0,01
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,7
1
1,5
2
2,5 – 3
3,5
Durchmesserspanne in mm

0,001 – 0,009
0,010 – 0,019
0,020 – 0,029
0,030 – 0,039
0,040 – 0,049
0,050 – 0,059
0,070 – 0,099
0,100 – 0,149
0,150 – 0,199
0,200 – 0,249
0,250 – 0,349
0,350 – 0,399

USP

Das USP gibt die Fadenstärke nach dem X/0 – System an.

In der europäischen Pharmaopöe gilt die Dezimalschreibweise. 1 metric entspricht einer Dicke von 0,1. Im amerikanischen Geltungsbereich sind dies 5/0 (USP).

USP

1
2
3
5
6
7
European Pharmacopeia

4
5
6
7
8
9
Durchmesserspanne in mm

0,400 – 0,499
0,500 – 0,599
0,600 – 0,699
0,700 – 0,799
0,800 – 0,899
0,900 – 0,999

Wovon ist meine Wahl des Fadenmaterials abhängig?

  • der Oberflächenbeschaffenheit des Fadens
  • der Knotensicherheit und -festigkeit
  • der Kapillarität des Fadens
  • der Plastizität des Fadens
  • der Elastizität des Fadens
  • Gewebereaktionen
  • der Fadenstärke
  • dem Nadeltyp

Wie verträglich sind chirurgische Fäden für das Gewebe?

In den Körper eingebrachtes Nahtmaterial wird unweigerlich als Fremdkörper wahrgenommen. Wie stark und wie lange dabei die Reaktion der Haut ausfällt, hängt von der Beschaffenheit der eingeführten Materialien ab.

Stahl und Kunststoff führen dabei zu den geringsten Bindegewebsreaktionen. Zu den stärksten Bindegewebsreaktionen führen Naturmaterialien wie Catgut und Chromcatgut.

Für welche Naht bietet sich welches Nahtmaterial an?

Organisches Nahtmaterial -> Schleimhautnähte

Catgut wurde in der Vergangenheit am häufigsten für Schleimhautnähte verwendet. Catgut ist heutzutage allerdings aufgrund des erhöhten BSE-Risikos (Rinderwahn) nicht mehr verfügbar.

Synthetisches Nahtmaterial -> Versenkte Nähte, Gefäßnahte, kleinste Strukturen

Synthetisches Nahtmaterial wird bei infizierten Wunden verwendet. Es kommt darüber hinaus aber auch für Gefäßnähte in Frage. Kunststoff (PDS/PGS) eignet sich beispielsweise für viele Nähte. So werden Kunststofffäden für versenkte Nähte, Gefäßnähte und kleinste Strukturen wie Faszien und Aponeurosen eingesetzt. PGS kommt auch für Schleimhautnähte in Frage.

Metallisches Nahtmaterial -> Hautnähte

Metall, als Chrom-Nickel-Eisenverbindung in das Gewebe eingesetzt, weist eine hohe Reißfestigkeit auf und hat keine Dochtwirkung. Es eignet sich dadurch sehr gut für Hautnähte. Der Wundverschluss erfolgt hierbei mithilfe von Stahlfäden oder durch Hautklammern.

Wie schnell reißt ein chirurgischer Faden?

Die Reißkraft oder auch Zugfestigkeit eines Fadens hängt maßgeblich von dem Fadenaufbau, dem Fadenmaterial und der Fadenstärke ab.

So kann geflochtenes Nahtmaterial insgesamt höheren Kräften standhalten als monofiles Nahtmaterial.

Frühere Untersuchungen der 90er Jahre dokumentierten eine Reißfestigkeit von rund 4100g bei Seide und 5600g bei Zwirn. Im Laufe der Zeit verringerte sich die Zugfestigkeit einiger Fäden durch die sterile Behandlung.

 

 

Seide

Zwirn

Heutzutage werden häufig Fäden verwendet, die nach einiger Zeit von der Haut aufgenommen und durch Enzyme oder Hydrolyse abgebaut werden. Dieser Adaptionsprozess sorgt während der Heilungsphase dafür, dass das Fadenmaterial kurz-, mittel- oder langfristig an Zugfestigkeit verliert.

Fäden, die sich nicht nach einiger Zeit auflösen, sondern konservativ entfernt werden müssen, behalten in der Regel ihre Reißfestigkeit über zwei Monate lang.

Im Vergleich chirurgischen Nahtmaterials natürlichen Ursprungs weisen Stahlfäden die beste Reißkraft auf. Bei den synthetischen Materialien schneidet Polyester vor Polypropylene am besten ab.

Neben den zeitlichen und materialbezogenen Eigenschaften beeinflusst auch die richtige Handhabung die Zugfestigkeit eines Fadens.

Werden Fäden falsch gefasst und beschädigt, kann dies zu einem schnelleren Reißen des Fadens führen.

Monofile Fäden sind aufgrund ihrer Beschaffenheit im Vergleich zu polyfilem Nahtmaterial sehr viel anfälliger für Beschädigungen.